Tour der neuen Freiheit  Kurztrips im Herbst

Ich möchte Euch mitnehmen , auf die erste Reise meiner vier Trips nach Frankreich seit der Grenzöffnung im Juni. Nach dem Corona-Lockdown empfand ich diesen Drang und die Bedeutung von Freiheit so intensiv wie nie zuvor. Wer wenn nicht wir haben die Möglichkeit uns selbst aus dem Alltag in eine neue Welt mit einem anderen Lebensrhythmus in die große Freiheit der Natur zu katapultieren? Wir laden unseren fahrbaren Untersatz mit dem Nötigsten, tetrismäßig, Karre gecheckt, dass Sie die Fahrt auch überlebt trotz Tieferlegung durch die Überladung – und los geht’s! Soweit die Theorie, wäre da 2020 nicht alles anders gekommen. Doch ich war mir sicher , auch dieses Jahr werde ich auf Tour gehen, auch wenn es wie zuletzt nur drei oder vier Tage am Stück im Land wo Träume Wirklichkeit werden sind. Nur eins zählt : „Keep the spirit !“

Der Herbst ist da – viel hilft viel?

So tat sich auch Ende September ein kurzes Zeitfenster für mich und meinen Kumpel auf und wir zögerten nicht lange , machten die Karren wieder mal startklar und schon konnte es losgehen. Ich ahnte schon, dass es angesichts der zu dieser Zeit bereits wieder steigenden Covid-19 Zahlen, zu einem schnellen Ende kommen könnte. So war klar , jeder Tag könnte das Ende sein und mit dem Wissen starteten wir unseren gemeinsamen Trip. In Frankreich angekommen überraschte uns ein Wetterumschwung , welcher den Wechsel der Jahreszeit einläutete: Von Sonne, Schweiß und Windstärke 0 , zum ersten Herbststurm mit Dauerregen und typisch nordfranzösischer Flachlandesee-Schlammparty binnen Stunden. Eigentlich perfekte Bedingungen, allerdings hatten wir die Wirkung des krassen Temperatursturzes für das flache Gewässer etwas unterschätzt. Ebenfalls war das Angebot an natürlicher Nahrung riesig. Die Boote wurden beladen und mit an Bord unsere Bait´s vom Cheffe Andy . Easy Fish , Red Squid – größtenteils als Dumbells und ein Fass Tigers sollten es sein . Nach dem das Camp Gestalt annahm , verteilten wir am ersten Abend eine große Menge dieses Gemischs und verteilten alle Ruten auf dem Fußballplatz großen Futterfeld . Wir waren uns sicher; Jetzt heißt es nur noch warten und alle Karten waren auf den Fressneid der Fische gesetzt. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt , denn zu unserem Erstaunen regte sich außer einem massiven Sturm, Dauerregen, einem Temperatursturz von gut 15 Grad und beginnender Schlammparty ums Zelt, einfach nichts. Was nun ? Der Platz gefüttert , die Strategie eigentlich den Verhältnissen angepasst und doch stehen die Bissanzeiger still. Was nun ?

Kontrolle ist gut, liegen lassen ist Gold!

Wir kontrollierten die Ruten, doch die Dumbell-Stone-Hooker, teilweise noch mit halben Naturalmix-Poppern versehen , waren noch gut in Form und so kam ich zu meiner Entscheidung . Aus vergangenen Touren erinnerte ich mich, dass die Hakenköder, welche am längsten und nicht gewechselt wurden, oft die größten Fische hakten. So schälte ich zusätzlich noch den bereits aufgeweichten Hookbait an und gab ihm die Chance seine volle Attraktivität zu entfalten. Mein Kumpel hielt mich für verrückt, zugegeben kostet es mich auch etwas Überwindung , angesichts des massiven Krebsaufkommens , den Hakenköder zusätzlich zu verkleinern doch irgendwas musste ich ja unternehmen.Die Ruten kamen dann abseits des Futterfelds mit nur einer Hand voll Red Squids oder Easy Fish zum Liegen. Nun hieß es , abwarten und hoffen.

Der Durchbruch

Wir saßen diesen Abend angesichts des draußen tobenden Wetters in meinem Zelt und genossen bei einem gutem Wein die für uns so seltene Zeit des gemeinsamen Fischens als plötzlich der Dauerton meiner Bissanzeiger ertönte . Fast schon fassungslos guckten wir beide uns an und schrien fast zeitgleich: „Alter, die läuft, die läuft endlich ab!!!“ Rein in die Wathosen, raus in den regenpeitschenden Sturm, und natürlich saß die Schnur realtiv schnell fest, also rein ins Boot und ab zum ersten Fisch der Session. Nach Minuten voller Drama, Panik und Gefluche glitt endlich ein runder Spiegler über den Kescherrand . Und da war das Glücksgefühl perfekt -genau wegen solchen Momenten und dem Abenteuer dieser Minuten machen wir das alles doch ! Am liebsten hätte ich mich zurück am Ufer wie eine der vielen Wildsäue in unserer Nähe vor Freude im Schlamm gesuhlt .Und siehe da, aus dem Maul baumelte der bereits gut 30 Stunden alte und dazu noch bearbeitete Squid-Hooker am Maul. Ja, er hing noch immer am Haar ! Es sollte auch garnicht lange dauern und die nächste Rute nicht weit entfernt, fand einen Abnehmer . „Moaar“ ein richtiger Herbstbulle, noch deutlich massiver als der erste Spiegler und wiedermal der Hooker. So kam es, dass nun auch die nächsten Fische jeweils nur auf den Ruten abliefen, an denen die Hookbaits mindestens 24 Std. hingen bzw. die Ruten gar nicht bewegt wurden. Manchmal ist einfach , einfach gut.

Der Weg ist das Ziel

Wir fingen in den vier Tagen insgesamt sechs Fische und verloren leider noch zwei. Mindestens genauso gewichtig wie den errungenen Erfolg empfinde ich die Fülle an neuen Erfahrungswerten in dieser kurzen Zeit. Als Karpfenangler lernt man nie aus, das treibt mich genauso an wie das Ziel in Form desnDicken auf dem Arm. Genauso zufrieden wie ich war, war ich aber auch hungrig auf mehr, mehr Adrenalin, mehr Erfahrung, mehr Herbstbullen, mehr gute Bekanntschaften. Gerade um letzteres bin ich sehr dankbar. Meiner Ansicht nach , erreichen wir durch Teilen mehr und am Ende haben wir doch alle ähnliche Ziele. Gerade wieder im Eigenheim angekommen stand der nächste Vollmond an, so kam es, dass ich bereits fünf Tage nach meiner Abreise erneut mein Boot zum Übersetzen an der Slipstelle des Sees belud, um noch einmal alleine drei Tage meinem Instinkt freien Lauf zu geben…

Nadel im 200Ha Heuhaufen

So stach ich also am darauffolgenden Freitag Nachmittag erneut in See um mich dieses Mal aufgrund des höheren Angeldrucks in einem anderen Bereich des Gewässers nieder zu lassen. Die Wassertemperatur war bereits auf 11 Grad gesunken. Diesmal hatte ich alle 4 Ruten mit einzelnen Red Squid Dumbell-Hookers weit in meinem Bereich verteilt, jeweils nur zwei Hände Red Squids weit herum verteilt. Doch wieder passierte erstmals nichts. In den folgenden 48 Std. jedoch konnte ich wieder 4 Fische fangen, ohne auch nur einmal den Hakenköder zu wechseln. Wieder war klar, dass diese Köder einfach argloser genommen werden, und je gummiartiger und ausgefranzter sie sindumso fängiger werden sie. Der Vollmondbulle blieb dieses Mal zwar aus, allerdings blitzte im Vollmondschein eine makellose Zeile mit riesen Paddelwerk auf. Definitiv der schönste Fisch für mich im Jahr 2020. Eine echte Nadel im Heuhaufen, ich war überglücklich und denke gerne an diese Momente zurück.

flashmul

Fazit

Aufgrund der Covid-Situation war das wohl das letzte Frankreichabenteuer für dieses Jahr gewesen, doch es war ein glorreiches Ende, die Vorfreude auf das nächste Frühling in diesen Gefilden ist bereits groß. Viel Gesundheit und Erfolg auf Euren restlichen Wegen in 2020! Hendrik Schmalz

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